In der Praxis angekommen: Fachtagung mit Praxisbeispielen zu Building Information Modeling

Am 11.10.2018 bat buildingSMART Austria im Rahmen der Fachtagung “In der Praxis angekommen: Fallbeispiele zu Building Information Modeling entlang des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes” gemeinsam mit Co-Veranstalter Dr. Stephan Heid von Heid & Partner Rechtsanwälte in Salzburg innovative Bauherren und deren Konsulenten auf die Bühne.

Vorbildprojekte HBLFA Rotholz und  TU Graz

Das öffentliche Bauprojekt „HBLFA Rotholz“ – eine Schul- und Forschungseinrichtung in Rotholz/Tirol – und das Projekt „Electronic Based Systems Center“ der TU Graz wurden in jeweils mehreren Fachvorträgen aus technischer, organisatorischer und rechtlicher Sicht analysiert. Dr. Gerhard Draxler, der Bauherrenvertreter in Rotholz resümiert: „Ich habe erst im Laufe des Projekts die Möglichkeiten von BIM für den Bauherren kennengelernt, musste aber rasch entscheiden, wieviel BIM für mich und den späteren Nutzer zweckmäßig ist.“

Bereits Erfahrung mit BIM hatten hingegen die Planer von AllesWirdGut Architekten sowie die Tragwerksplaner von Fritsch, Chiari & Partner, die bei der TU Graz mit dem Modell des „Open BIM“ (Modellierung in mehreren Fachmodellen mit anschließender Verschneidung) eine noch intensivere Form der Zusammenarbeit gelebt haben. “Wir arbeiten als Team nur mehr nach der BIM Methodik, weil wir damit bessere Planungsergebnisse – in Bezug auf Fehlerfreiheit, Transparenz und Pünktlichkeit/Schnelligkeit – im Sinne des Kunden, aber auch in unserem eigenen Sinn erzielen.”, erläuterte DI Agron Deralla von AllesWirdGut Architekten die Vorteile einer konsequenten BIM Nutzung. Auch DI Josef Fladischer von Fritsch, Chiari & Partner hat einen persönlichen Nutzen aus der BIM Nutzung im Team gezogen: „Die Methode BIM bot mir die Rahmenbedingungen, um meine Team-Fähigkeiten optimal nutzen zu können und so meine Leistungsqualität zu erhöhen.”

Abgerundet wurde der Erfahrungsaustausch durch den Bericht der Schweizer Architekten von „building group“, die den monetären Nutzen bei Verfügbarkeit valider Gebäudedaten im Verkaufsfall mit rund 4% des Kaufpreises angegeben haben. Patrick Schmid, MBA: „Unsere Produktdatenplattform ist eine wesentliche Ergänzung zu BIM Softwaretools, um eine lebenszyklische Attribuierung (as built) der Daten umzusetzen.“

Die Vorteile der integralen Planung mit BIM führte DI Richard Thrainer, Riederbau, aus: „Unser Unternehmen nutzt die Methodik BIM von der Planung, Errichtung und Betrieb und zwar mit eigenen Leuten, um dem Lebenszyklus als Dienstleister nahe zu bleiben.“

Weitere Einblicke in die Praxis der BIM Nutzung folgten in Bezug auf Betriebskosten durch die Ausführungen von Mikis Waschl, B.Eng., von caFM engeneering: „Standardisierte Daten – Stammdaten und Bewegungsdaten – stellen einen Teilwert der Immobilie dar und sind die Basis für effiziente, kostenoptimierte, transparente Bewirtschaftung.“

Aufruf an die Politik

Wünschenswert – so das Resümee der Veranstalter – wäre ein stärkeres Engagement staatlicher Stellen bei der Digitalisierung im Baubereich. Ing. Mag. Alfred Waschl und Dr. Stephan Heid warnten: „BIM ist die Sprache der Techniker des 21. Jahrhunderts. Andere Länder in Europa verpflichten bereits zu BIM im Genehmigungsverfahren oder verpflichten zumindest große Bauherren zur Durchführung von Pilotprojekten. Selbst die im Baubereich eher konservative Schweiz hat in einem ‘Digitalen Aktionsplan’ jüngst beschlossen, dass ab 2021 für Immobilien und ab 2025 für Infrastrukturanlagen die BIM-Methode verpflichtend ist. Österreich muss vergleichbare Schwerpunkte setzen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Die Resonanz der Veranstaltung, gemessen an Besuchern, die intensiven Diskussionen und die Präsenz aller Stakeholder der Immobilienwirtschaft als Besucher dieser Veranstaltung läßt darauf hoffen, dass wir den Rückstand zu Ländern wie Dänemark, Schweden oder Holland aufholen könnten. Politische Hilfestellung würde den Aufholprozess beschleunigen.

Heid & Partner Rechtsanwälte ist spezialisiert auf Vergaberecht, Umwelt- und Anlagenrecht, Bau- und Bauwerkvertragsrecht, IT-Recht und Datenschutz, EU-Förderungs- und Beihilfenrecht sowie auf juristisches Projektmanagement und gerichtliche Vertretung. Heid & Partner sind Gründungsmitglied der IG Lebenszyklus Bau, Herausgeber und Autor von Standardwerken zum Bundesvergabegesetz sowie zum Thema Digitalisierung.

Vorträge sind hier passwortgeschützt zum Download erhältlich. Für das Passwort kontaktieren Sie bitte Ing. Mag. Alfred Waschl unter +43/676/840 350 100 oder gs@buildingsmart.co.at.  

v.l.n.r.: Mag. Alfred Waschl, DI Josef Fladischer, DI Agron Deralla und Mikis Waschl, B.Eng. Foto: Birgit Kaltenböck
Fachtung “Fallbeispiele BIM” am 11.10.2018 im Cool Mama Hotel in Salzburg, Foto: Birgit Kaltenböck
v.l.n.r.: Dr. Stephan Heid, Heid & Partner Rechtsanwälte, Dr. Gerhard Draxler, Landwirtschaftliche Bundesversuchswirtschaften, Mag. Alfred Waschl, buildingSMART Austria, Foto: Birgit Kaltenböck
Programmablauf Tagung „In der Praxis angekommen: Fallbeispiele zu Building Information Modeling entlang des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes“, am 11.10.2018 im COOL MAMA Hotel in Salzburg:

14:30  Begrüßung und Moderation durch Ing. Mag. Alfred Waschl und Dr. Stephan Heid
14:35 DAS PROJEKT ROTHOLZ ALS BIM PROJEKT
• Darstellung der Auftraggeberanforderungen
Dr. Gerhard Draxler, Landwirtschaftliche Bundesversuchswirtschaften BVW
• Rechtliche Aspekte einer BIM Ausschreibung
Dr. Stephan Heid, Rechtsanwalt
• Gesamtheitliche Leistungserbringung entlang des Lebenszyklus
BM DI Anton Rieder, Landesinnungsmeister Tirol
16:30 DAS PROJEKT “ELECTRONIC BASED SYSTEMS CENTER“ für TU GRAZ
• BIM im Einsatz DI Agron Deralla, AllesWirdGut Architekten
• Dynamik der Zusammenarbeit zwischen Architektur und Tragwerksplanung
DI Josef Fladischer, FCP Fritsch, Chiari & Partner
17:25 Uhr
Amortisation und Mehrwert von strukturierten Daten aus Sicht der Betriebskosten, sowie im Zusammenhang mit Transaktionen
Mikis Waschl, B. Eng, caFM engineering GmbH
Wertschöpfungsprozess: bessere Daten – bessere Entscheide – bessere Bauten
Patrick Schmid, MBA, buildup group Schweiz
18:15 Uhr Networking, persönliche Diskussion